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Inglourious Basterds – Quentin Tarantino, 2009

05.08.09

2732 xxl Inglourious Basterds   Quentin Tarantino, 2009

This might be my masterpiece.

Auf die Frage, was eigentlich dieses ‚Suspense‘ sei, das sein Werk ja angeblich ausmache, erläuterte Alfred Hitchcock einst, ‚Suspense‘ sei, wenn im Film zwei Männer an einem Tisch sitzen und sich unterhalten, während unter dem Tisch eine Bombe ticke. Die Zuschauer wissen von der Bombe, die Männer aber nicht. Diesen Wissensvorsprung des Publikums vor allen oder einigen Figuren auszunutzen, um Spannung aufzubauen, ist auch ein Lieblingsverfahren Quentin Tarantinos. Die Figuren unterhalten sich über Apfelstrudel oder den Unterschied zwischen Fußmassagen und Cunnilingus oder spielen „Wer bin ich“ und erraten „King Kong“ richtig, „Edgar Wallace“ jedoch nichtI , während unter dem Tisch gezogene Waffen darauf warten, loszugehen, oder sich Familien im Keller versteckt halten. Tarantinos Spezialität ist dabei das extreme Übergewicht des „Vorspiels“ gegenüber der „Erruption“, was sich selten schöner zeigte, als in diesem 152minüten Langspielfilm, der letzten Endes die Story eines Kurzfilms erzählt.Eine Spezialeinheit der Alliierten meuchelt hinter der Front im besetzten Frankreich Nazis. Als sich die Chance ergibt, bei der Premiere des Propagandastreifen „Nation’s Pride“ die gesamte Reichsführung mit einem Schlag auszuradieren, planen die „Inglourious Basterds“ ihren größten Coup.

Die größte Überraschung des Films ist, dass innerhalb der Filmwelt eigentlich die Nazis die Guten sind. Sie zeigen im Gegensatz zur Guerrillatruppe Empathie, Loyalität und Weltgewandtheit, so dass man glauben können, Paris sei seinerzeit von fließend französisch sprechenden Kavalieren besetzt worden. Vor allem Major Hans Landa, mit dessen Verkörperung Christoph Waltz der verdiente internationale Durchbruch gelungen sein dürfte, spielt mit intellektuell hoffnungslos unterlegenden Basterds nach Belieben Katz und Maus. So braucht ironischerweise den historischen Hintergrund, von dem sich sein Film so distanzieren möchte, denn ohne diesen Kontext ist z.B. Till Schweigers Charakter einfach ein soziopathischer Mörder, der sich auf ältere, schlafende, wehrlose Männer spezialisiert hat.

Wem Tarantinos Dialoge gefallen und wer Freude an so einer etablierten Schauspieltruppe hat, die vor allem von deutschsprachiger Seite mit Daniel Brühl, Diane Krüger, Gedeon Burckhardt u.v.v.m großen Wiedererkennungswert hat, mag sich auch über zweieinhalb Stunden blendend unterhalten.

Ein gewisses Deja Vu mag sich beim Zuschauer einstellen, wenn Landa den Unterschied von Ratten und Eichhörnchen debattiert:

Persönlich bin ich, was den Film angeht, gespalten. Einerseits schätze ich als postmodernen Autor, seine Collagetechnik und seine Archivierungsbemühungen um längst vergessene Nischen-“Popfilme“ im weitesten Sinne (als Gegenbegriff zum „Kunstfilm“).

So freute ich mich sehr über durch Ennio Morricone begleiteten Abspann, dessen Musik „ALLONSANFAN“ entnommen hat:

Genauso, wie wieder das „Mercenario“-Thema anklingt, das bereits in „Kill Bill“ verwurstet wurde:

Die Kehrseite der Medaille ist dabei, dass keinerlei Anstalten macht, sich in den Dienst einer Geschichte und ihrer Figuren zu stellen. Er macht Filme über Filme und nicht über Menschen. Ganz im Sinne der copia, des Fülleideals des Barock erstellt er ein Filmlexikon aus Zelluloid. Dem Cineasten gefällt’s, doch der Rest muss wohl leider draußen bleiben.

Inglourius Basterds ist ab dem 20.08.2009 im Kino.

  1. wie auch, wir schreiben schließlich das Jahr 1945 []
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