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Fritz von Herzmanovsky-Orlando – Der Gaulschreck im Rosennetz, 1928

29.02.08

Als kleinen Zwischenhappen zum langfristigen k.u.k. Lektüreprojekt „Der Mann ohne Eigenschaften“, habe ich mir diese kleine, feine Praline aus der Heimat des Punschkrapferls gegönnt. Der Untertitel „Eine Wiener Schnurre aus dem modernen Barock“ sagt bereits vieles. Das opulent-bizarre Werk weist dabei trotz diametraler Form zwei Paralellen zu Musils Mammut auf: Die beißende Gesellschaftskritik und die forcierte Geschwätzigkeit. Während Musil mit feiner Ironie die Grenzen einer möglichst exakten Sprache auslotet, schwelgt „FHO“, wie er seine zahlreichen Zeichnungen signierte, völlig enthemmt in der Fülle seiner Phantasiewelt. Die Geschichte – Ein bis zur Besessenheit vaterlandstreuer Beamter benötigt für seinen Kaiser den Milchzahn einer ebenso berüchtigten wie schönen Schauspielerin – dient als Aufhänger für Schilderungen in wahrlich barocker Sprachopulenz. Nahezu nichts und alles vermag hierbei den Gegenstand abgeben – „Taubendreck! Ein unerschöpfliches Thema!“ (133) – ganz wie bei Musils ‚Essayismus‘. Die moderne Welt, die sich vor allem in der Bürokratiemaschinerie im Leerlauf niederschlägt, wird kontrastriert mit einem Kosmos aus Absurdität und Phantasiewesen wie dem Zwerg, als Hofzwerg domestiziert, oder der Hexe und ihren Liebestränken. Der ernste Hintergrund der Satire offenbart sich jedoch in Sätzen, die wir uns auch heute -gerade heute!- hinter den Spiegel stecken können:

Dem wimpernlosen Augen der Staatsgewalt – es zuckt niemals! – bleibt nichts verborgen! (117)

 

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